Mercedes 3-0-0

Mercedes-Benz 3-0-0
 
Die Vorgänger der S-Klasse (W186, W189, W112, W108/109)
4. März 2013
Buchrezension von Von Dr. Priesnitz
Quelle: Amazon.de
 

 
Über das Buch Der Typ 300d, der zwischen 1957 und 1962 angeboten wurde, erhielt eine neue Baureihenbezeichnung (W189), weil er in seinen Abmessungen deutlich gewachsen war und es sich hier nicht mehr um ein simples Facelifting handelte. Die modernisierte Karosserie war immer noch viertürig, verfügte aber über ein pfostenloses Hardtop mit ringsum versenkbaren Scheiben. Der 300d war insgesamt kantiger und die hinteren Kotflügel erhielten im Stil des nordamerikanischen Geschmacks kleine anmodulierte Heckflossen. Ebenso gab es jetzt auch noch eine Panoramaheckscheibe. Der Vergasermotor wurde durch einen Einspritzmotor ersetzt. Auch die ab Werk serienmäßig gebaute Getriebeautomatik wurde umfangreich überarbeitet. Dennoch war es möglich den Typ 300d auch noch mit mechanischem Schaltgetriebe auf speziellen Wunsch zu ordern. Mit rund 160PS beschleunigte der Oberklasse Benz in rund 17 Sekunden von 0 auf 100km/h und erreichte bei Tempo 165 sein Maximum. Zwischen August 1957 und März 1962 wurden insgesamt 3077 Limousinen und 65 Cabriolets D gebaut. Im Buch werden auch individuelle Sonderkarosserien bzw. Aufbauten von Karosserieunternehmen wie z.B. Ghia oder Pininfarina aus Italien präsentiert. Darüber hinaus gab es auch noch seit 1952 eine zweitürige Aufbauvariante mit der Bezeichnung S bzw. Baureihenkennzeichnung W188. Diesen gab es als Coupé, Cabriolet oder Roadster. Von der ersten Serie entstanden rund 560 Fahrzeuge zwischen 1952 und 1955, während es die zweite Serie zwischen 1955 und 1958 nur noch auf lediglich 200 Stück brachte. All diese zuvor besprochenen Modelle und noch ein wenig mehr sind Gegenstand des ersten Kapitels: "Der klassische Mercedes Benz 3-0-0." Im Kapitel "Der modische Mercedes Benz 300" wird die Baureihe W112 betrachtet, die auch im Hinblick passive Sicherheit dazu gelernt hatte. Es gab Knautschzonen und Crash Tests. Der 300 SE mit Heckflossen sollte eigentlich nicht den Adenauer Benz ersetzen, sondern vielmehr als Hochleistungsreisewagen seine Dienste verrichten. Man konnte ihn auch in einer 10cm verlängerten Version bestellen. Er folgte auch der gegen Ende der 1950er Jahre angesagten Trapezformlinie, obwohl diese bei Vorbildern, wie dem Lancia Flaminia ansprechender gelungen war. Der 160PS Sechszylinder - Motor entsprach den üblichen 3 Liter Motoren bei Mercedes, aber mit dem Unterschied, dass der Motorblock aus einer Aluminium Legierung gegossen wurde. Erstmals wurde bei dieser Mercedes - Baureihe eine Luftfederung vorgesehen. Der Typ 300 SE wurde von 1961 bis 1965, der 300 SE lang von 1963 bis 1965 und das 300 SE Coupé bzw. Cabriolet von 1962 bis 1965 gebaut. Im dritten Kapitel "Der funktionale Mercedes - Benz 300" stehen die Typenbaureihen 300 SE (W108) und 300 SEL (W109) im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Karosserielinie war mittlerweile geglättet worden und der 300er wurde nach den Entwürfen des französischen Designers Paul Bracq und des Italieners Bruno Sacco optisch ansprechender. Die Limousine des 300 SE glich im Wesentlichen der des Typ 250 SE. Allerdings erbte der 300er den Leichtmetallmotor des Vorgängers, verzichtete aber auf die Luftfederung, die nur dem Cabrio, dem Coupé und dem Typ 300 SEL vergönnt war. Mit gut 170 PS waren Geschwindigkeiten bis 200 km/h möglich. Beim 300 SEL waren gegenüber dem 300 SE der Radstand und der hintere Sitzraum um 10 cm verlängert worden. Die Reihe, die als Geburt der S-Klasse gilt, wurde zwischen 1965 und 1967 gebaut. Im vierten und letzten Kapitel "Der kraftvolle Mercedes - Benz 300" wird das Topmodell der W108/109 Baureihe betrachtet. Dieser Kraftprotz wurde erstmals im Sommer 1968 präsentiert und hatte den 6,3 Liter V8 aus dem staatstragenden Mercedes 600 unter der Haube. Mit diesem Muskelpaket konnte der 250PS starke Motor die Karosse auf rund 225 km/h katapultieren. Das war für eine Reiselimousine dieser Zeit spektakulär und zementierte seinen Status als Kultauto. Dafür genehmigte er sich aber auch rund 21 Liter Super auf 100km, was ebenso spektakulär aus heutiger Sicht ist. Rund 6526 Mal verließ das Topmodell zwischen 1968 und 1972 das Werk. Kommentar
 
Michael Wiedmaier dokumentiert wieder einmal akribisch ein Stück Automobilgeschichte in diesem Buch und beschreibt die betreffenden Baureihen übersichtlicher und viel, viel expliziter als ich es hier im Vorfeld hätte tun können, zumal den Worten noch die schönen Fotos fehlen, die Sie hier in diesem Buch visuell ansprechend und in zahlreicher Menge antreffen werden. Insgesamt handelt es sich um etwa 600 Fotos inklusive Abbildungen und Schnittzeichnungen, verteilt über 386 Seiten, in hoher Druckqualität. Neben den Serienfahrzeugen werden hier insbesondere auch die Sondermodelle und Variationen vorgestellt und dokumentiert, was noch niemand in diesem Umfang vor Wiedmaier getan hat. Die Anschaffungsmodalitäten liegen leider nicht im Budget eines jeden, weshalb ich hier ein Sternchen abziehen möchte. Allerdings ist das Buch durchaus auch für Sammler interessant, denn es soll angeblich auf 3000 Editionen begrenzt sein. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass es demnächst vielleicht auch einmal eine broschierte Edition fürs Massenpublikum geben mag.